Zwischen Waffen und Worten – Dr. Ulrich Bausch fordert neue Friedenspolitik
Im Rahmen des Weltfriedenstages und des Aktionstags der Naturfreunde sprach Dr. Ulrich Bausch, Mitbegründer der Initiative „Aufbruch zum Frieden“, eindringlich über die verfahrene geopolitische Lage – und die Notwendigkeit eines politischen Kurswechsels. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg, die zunehmende Aufrüstung und das gesellschaftliche Klima mahnte er eine Rückkehr zur Diplomatie an.
Bausch kritisierte sowohl Russland als Aggressor als auch die westlichen Staaten für eine Serie von Fehlannahmen, die zur Eskalation beigetragen hätten – von der NATO-Osterweiterung über Fehleinschätzungen Putins bis hin zum Irrglauben, Sanktionen oder Waffenlieferungen könnten den Konflikt nachhaltig beenden. „Dieser Krieg ist militärisch nicht zu gewinnen“, zitierte er den US-General Mark Milley, und warnte vor einem „Krieg aus Versehen“ infolge zunehmender Eskalationsspiralen.
Mit Nachdruck forderte er Verhandlungen unter Einbeziehung russischer Sicherheitsinteressen, unabhängig davon, wie man diese bewertet. Bausch plädierte für eine strikte Unterscheidung zwischen Verteidigungs- und Offensivrüstung sowie für eine Rückkehr zu Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden Maßnahmen. Andernfalls drohe ein Krieg mit unabsehbaren Folgen – auch atomarer Art.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war die Rolle der USA in der NATO-Politik seit den 1990er Jahren, insbesondere das Agieren der amerikanischen Rüstungsindustrie. Bausch untermauerte seine Thesen mit zahlreichen historischen Belegen und Quellen, darunter Aussagen von George Bush senior, James Baker und Erkenntnissen aus dem National Security Archive der Georgetown University.
Abschließend sprach Bausch auch zur Situation im Nahen Osten. Er verurteilte das Massaker der Hamas, wies jedoch darauf hin, dass die langjährige Politik von Benjamin Netanjahu, einschließlich der bewussten Schwächung einer Zwei-Staaten-Lösung, zur Eskalation beigetragen habe. Solidarität mit Israel dürfe nicht mit Solidarität mit Netanjahu verwechselt werden, so sein Appell.
Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer für eine verantwortungsvolle Friedenspolitik bot Dr. Bausch nicht nur Analyse, sondern auch Orientierung – in einer Zeit, in der viele Menschen verunsichert sind. Sein Auftritt wurde mit großem Beifall aufgenommen und regte im Anschluss zu angeregten Diskussionen an.
Dr. Ulrich Bausch ist Medien- und Politikwissenschaftler, Geschäftsführer der Volkshochschule Reutlingen sowie Mitgründer der bundesweiten Friedensinitiative „Aufbruch zum Frieden“. Innerhalb der SPD engagiert er sich seit vielen Jahren für eine sozial orientierte Außenpolitik, die auf Diplomatie statt Eskalation setzt. Er gilt als kritischer Beobachter internationaler Entwicklungen und bringt in seine Analysen sowohl historische Zusammenhänge als auch sicherheitspolitische Expertise ein. In zahlreichen Vorträgen und Publikationen wirbt er für Dialog, Gewaltverzicht und die Rückbesinnung auf die Grundwerte europäischer Friedenspolitik.
Ausstellung „Hiroshima und die Folgen eines Atomschlags
Besonders eindrucksvoll war die Ausstellung „Hiroshima und die Folgen eines Atomschlags“, die das Friedensbündnis Villingen-Schwenningen präsentierte und damit die verheerenden Konsequenzen atomarer Aufrüstung vor Augen führte. Hiroshima und Nagasaki waren völlig unzerstörte Städte, als sie durch den Atombombenabwurf der USA im August 1945 in ein glühendes Inferno verwandelt wurden. Bis Ende des Jahres starben über 200 000 Menschen, danach noch Zehntausende an den Langzeitfolgen wie Krebs-, Herz-Kreislauferkrankungen, Schädigung des Immunsystems, psychischen Erkrankungen u. a.
Doch die Erfahrungen dieser Katastrophen wurden nicht, wie man meinen sollte, zu einem Weckruf für die Menschheit. Im Gegenteil: Heute existieren mehr als 12 000 Atomwaffen weltweit, je 500 in Russland und den USA, wobei die heutigen Bomben eine ungleich größere Zerstörungskraft als damals besitzen. Begriffe wie „Atomarer Schirm“ oder „Sicherheit durch Abschreckung“ beschönigen die Gefährlichkeit der Lage: Statt „atomarer Schirm“ müsste es eigentlich „atomares Pulverfass“ heißen.
Statt immer weiter zu eskalieren und sogar mit den Gedanken eines begrenzten regionalen atomaren Kriegs zu spielen, sollte der einzig wirkliche Schutz vor einem Atomkrieg angestrebt werden: das Verbot der Atomwaffen. Ein Hoffnungsschimmer ist deshalb der Atomwaffenverbotsvertrag, der 2017 von einer breiten Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten beschlossen wurde. Auch wenn die Atomwaffenstaaten den Vertrag bisher ignorieren, kommen sie nicht daran vorbei. Er ist ein Signal – so das Fazit dieser Ausstellung –, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung die Atomwaffen nicht mehr akzeptiert.
