KRIEGSTÜCHTIG ODER FRIEDENSFÄHIG?

Der zweite Jahrestag des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine ist vorbei, mit Protesten und Demonstrationen in vielen unserer Städte – der Krieg geht unerbittlich weiter. Verhandlungen, von vielen Personen und Institutionen angemahnt, gibt es höchstens hinter verschlossenen Türen und ohne erkennbare Veränderungen.

Wie stehen wir dazu?

Die Diskussion über Sanktionen gegen Russland, über militärische Unterstützung bis hin zu Bodentruppen - von Frankreich vor kurzem nicht mehr ausgeschlossen -  werden täglich lauter und konkreter. Wollen wir das?

Das Regionale Friedensbündnis VS hatte eingeladen zu einem Gesprächsabend über „Gedanken zum Pazifismus“ mit Rechtsanwalt Ullrich Hahn aus Villingen; es kamen doppelt so viele Interessierte wie sonst.

Ullrich Hahn erläuterte verschiedene Definitionen zum Begriff Pazifismus und erklärte den Unterschied zwischen Gesinnungsethiker (Ablehnung jeder Gewalt, z.B bei Leo Tolstoi in seinen Schriften gegen den Krieg) und Verantwortungsethik (mit Recht auf Selbstverteidigung).

Das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist sowohl in unserem Grundgesetz wie auch in der UN-Charta verankert, es gilt für alle Menschen. Strukturen staatlicher Gewalt, wie zum Beispiel die Todesstrafe, sind abgeschafft. Das „Recht des Stärkeren“ ist abgelöst durch die Stärke des Rechts. Rechtsanwalt Ullrich Hahn hat in seinem Berufsleben Hunderte von Kriegsdienstverweigerern in ihren Verfahren begleitet. Pazifisten werden oft belächelt als Schwächlinge oder Feiglinge; aber es gehört Mut dazu nicht zur Mehrheit zu gehören und andere Aufgaben wahrzunehmen. Nicht nur das „Lassen von Gewalt“ – dazu gibt es ein Buch von Ullrich Hahn - gehört zum Pazifismus, sondern ebenso die Versöhnungsarbeit während und erst recht nach Konflikten und Kriegen; er sagt dazu „Einstehen für Gerechtigkeit“.

Dem steht die Dynamik von immer mehr Waffen entgegen, weltweit inzwischen über 2 Billionen Euro jährlich. Das Recht auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung ist in der UN-Charta festgelegt, aber auch in einem Verteidigungskrieg gelten Regeln und muss der Schutz der Menschenrechte gewährleistet sein. Aktiver Pazifismus lehnt Waffen ab und will Abrüstung; die finanziellen Mittel sind dringend nötig für mehr Gerechtigkeit, für Bildung, Gesundheit, Verständigung.

Im Gespräch danach wurde auch von verschiedenen Aktionen berichtet. Wolfgang Steuer  aus Trossingen erzählte von der wöchentlichen Mahnwache gegen den Krieg, die dort gerade zum hundertsten Mal stattgefunden hat. Ekkehard Hausen aus Deisslingen berichtete vom regelmäßigen Protest von Friedensgruppen gegen die Sicherheitskonferenz in München, Helmut Lohrer von der großen Kundgebung in Berlin am Vorabend des 24. Februar (Kriegsbeginn in der Ukraine vor 2 Jahren).

Nicht kriegstüchtig, wie manche sich das wünschen, sondern friedensfähig wollen Pazifisten sein – Friedensaktivisten: „Gemeinsam für den Frieden.“

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