„Der Frieden muss verhandelt werden“

Mahnwache des Regionalen Friedensbündnisses in Villingen
Bild-Nr. 57 -

„Wie soll das alles nur enden?“  -  Das war am vergangenen Samstag (25.2.) die zentrale Frage bei der Mahnwache, die das „Regionale Friedensbündnis VS“ nach 1 Jahr Ukraine-Krieg in der Villinger Fußgängerzone organisiert hatte: „Wie kann Solidarität mit der Ukraine aussehen? Wird ganz Europa in den Krieg hineingezogen? Stolpern wir in einen Atomkrieg?“

Begonnen hatte die Veranstaltung mit einer Gedenkminute für die Toten beider Seiten. In seiner Begrüßungsrede betonte Dekan i.R. Keller, dass die von der russischen Armee überfallene Ukraine unsere unmissverständliche Solidarität verdient, dass aber jeder weitere Kriegstag die Zahl der Traumatisierten, der Verletzten und Getöteten erhöht.  Im Krieg gäbe es keine Sieger, deshalb müssten dringend die Voraussetzungen für Friedensverhandlungen gesucht und geschaffen werden.
Unterbrochen von langsamen klassischen Musikstücken wurden im weiteren Verlauf der Mahnwache verschiedene Gedichte und Texte vorgetragen. Dazu gehörten das Gedicht „Der Schatten“ von Günther Kunert, das die furchtbaren Folgen des ersten Atombombenabwurfes in Hiroshima darstellt,  ein Text von Albert Einstein, der sich immer wieder für Frieden und Völkerverständigung einsetzte sowie das Gedicht „Utopische Verse“ des unbekannten Dichters Michail Dudin, das nachdrücklich den Wunsch und die Hoffnung auf eine waffenfreie Welt beschreibt.  

In dem Text der ehemaligen Bischöfin Margot Käßmann, einer bekennenden Pazifistin, beschreibt sie, wie die Spirale der Gewalt auch in Deutschland eskaliert: Anfangs wurden nur Helme geliefert, jetzt ist man schon bei Angriffspanzern angekommen und kaum wurde der Lieferung zugestimmt, werden bereits Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe gefordert. „Dadurch besteht die Gefahr, dass Deutschland Kriegspartei wird, ja dass Atomwaffen alle Zukunft für unseren Kontinent vernichten. Diese Spirale wollen wir unterbrechen,“ so Margot Käßmann.

Dass es auch in der Ukraine eine Friedensbewegung gibt, stieß bei den Zuhörerinnen und Zuhörern auf besonderes Interesse. So wurde eine Erklärung der „Ukrainischen pazifistischen Bewegung“ verlesen, die mit folgenden Worten beginnt: „Wir, die ukrainischen Pazifistinnen und Pazifisten, engagieren uns für die Beendigung des Krieges mit friedlichen Mitteln.“ Die derzeitige Politik des Kampfes bis zum absoluten Sieg sei inakzeptabel und müsse sich ändern: „Was wir brauchen, sind ein Waffenstillstand, Friedensgespräche und ernsthafte Bemühungen, die tragischen Fehler zu korrigieren, die auf beiden Seiten gemacht wurden.“ Eine Verlängerung des Krieges habe katastrophale, tödliche Folgen und zerstöre weiterhin die Gesellschaft und die Umwelt.  Der Text endet mit den eindringlichen Worten: „Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit! Wir sind daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und uns für die Beseitigung aller Kriegsursachen einzusetzen.“

Viele der Passantinnen und Passanten blieben stehen, um erst einmal zuzuhören. Und danach bot die Mahnwache die Gelegenheit, über das Thema miteinander ins Gespräch zu kommen. Argumente wurden ausgetauscht, Zweifel wurden geäußert und es gab viel Zustimmung bis hin zu der Bitte, eine solche Mahnwache zu wiederholen. 

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